Alemannen-Siedlung bei Auenheim 350 n. Chr.
Suche nach Kulturmaterial und geophysikalische Kartierung
Sept. – Dez. 2009
Dies war unser erstes Projekt, begonnen im September 2009. Es hatte gleich eine Dimension, bei der uns bange wurde: Eine über fünf Hektar große alemannische Siedlungs-Anlage!
Die nahe Kehl gelegene Siedlung wurde von einem pensionierten Hobby-Archäologen entdeckt, war bis dahin noch gänzlich unerforscht und unterlag von Seiten des Landes-Denkmal-Amtes der Vertraulich-Behandlung. Der Grund: Der Entdecker hat dort mit bloßem Auge über 50 römische Münzen gefunden. Nun muss dieser Ort vor Raubgräbern geschützt werden, die mit Metalldetektoren ein solches Feld plündern könnten.
Datiert wurde die Siedlung anhand von Scherben, von denen wir neben Eisenschlacke zahlreiche fanden. Siehe Funde
Weiterführendes Ziel war die Kartierung des Siedlungsgeländes mit geophysikalischen Kartierungsverfahren: Geoelektrische Widerstands-Tomographie, Induzierte Polarisierung und Geomagnetik.
Die Arbeit auf dem Alemannen-Feld setze mit großer Euphorie ein, die unvermindert anhielt. Zunächst wurde auf einer Fläche von 200 auf 200 Metern mit Holzpflöcken ein Schachbrett mit 20 mal 20 Meter großen Quadranten, sog. Grids, vermessen.

Abb.1: Vermessung der Fläche in Grid (Stefan, Ph. Moll, Alper, Jonathan)
Beim geoelektrischen Kartieren läuft man dann wie beim Rasenmähen die ganze Fläche ab, nur dass wir nach jedem Meter die Messapparatur in den Boden stießen, Daten erfassten und danach das Gerät wieder heraus hoben (Abb. 1). Diesen Vorgang wiederholten wir insg. 50 000 Mal.
Abb.2: IP-Kartierung, Datennahme (Alper, Jonathan)
Das Prozessieren der IP-Daten führte zu einer Karte, die ein Muster der elektrischen Aufladbarkeit kleinster Bodenzonen zeigt (IP). Kulturmaterial im Boden steht meist im Kontrast zu den umliegenden Bodenmineralien. Somit erhält man Aufschluss über Gebäudegrundrisse, Feuerplätze, Verhüttungsstellen und Müllgruben.
Die Fläche der Auenheimer Alemannensiedlung wurde für den Maisanbau seit Jahren bis zu 60cm Tiefe durchpflügt. Dadurch dürften viele historische Bodenstrukturen zerstört worden sein. Wir konnten aber dennoch einige Zusammenhänge heraus messen (siehe Messauszüge Abb. 3 und 4).

Abb.3: IP-Kartierung, Alemannensiedlung

Abb.4: IP-Kartierung, Alemannensiedlung
Zusätzlich wurde die Kulturfläche mit Geomagnetik vermessen. In den letzten Tagen vor Weihnachten wurde mit Unterstützung von Stefan Ostermaier und den wetterfesten Senioren des Archäologie-Kreises Auenheim ein Großteil der Siedlungsfläche magnetisch kartiert.
Abb.5: Magnetische Kartierung, Crew: Stefan Ostermaier und Mitglieder des Archäologie-Kreises
Die magnetische Untersuchung förderte leider nur wenige punktuelle Anomalien zu Tage. Systematische Strukturen fehlen. Wahrscheinlich wurde zu viel des signalgebenden historischen Materials durch den Pflug umgewälzt. Die mit IP gemessenen Material-Reste in über 60cm Tiefe scheinen zu schwache Signale ausgesendet zu haben, so dass diese mit Magnetik nicht detektiert werden konnten. Wir hatten zudem kein Fluxgate-Magnetometer zur Verfügung, das feiner misst als unsere Apparatur und üblicherweise in der Archäologie verwendet wird. Die flächige Farbänderung im Messbild wurde durch den unterschiedlichen Erdmagnetismus zweier Tage erzeugt.

Abb.6: Totalfeld-Magnetogramm, Alemannensiedlung
Am 23. Dezember 2009 hatten wir es geschafft. Das ganze Feld war vermessen, nachdem wir seit Anfang Oktober zwei Mal wöchentlich, meist am Wochenende, bis in die Nacht gearbeitet hatten. Danach fiel unsere AG in den verdienten Winterschlaf.
Johanna Eckstein, Referentin für alemannische Kultur:
Untersuchungsergebnisse (Interpretation, Stand 15.04.2011)
Die im Feld zahlreich gefunden Scherben von Ton- und Glasgefäßen und zeugen von einem regen Handel zwischen den „Auenheimer Alemannen“ und den Römern. Sehr wahrscheinlich standen diese Alemannen in der Zeit um 350 n. Chr. in freundschaftlichem oder zumindest friedlichem Verhältnis mit den rheinischen Römern. Dass die alemannischen Siedlungsbewohner wohl keine Sklaven der Römer waren leitet sich aus den reichen Münzfunden ab.
Mittlerweile über 50 an der Oberfläche gefundene römische Münzen deuten daraufhin, dass in dieser Siedlung eine alemannische Söldner-Garnison im Dienst Römer stationiert gewesen sein könnte. Es handelt sich ausschließlich niederwertige Silbermünzen aus einem engen Zeitfenster, die im Wert mit einem Soldatensold im Verhältnis stehen.
Unsere Messungen deuten zudem auf einen aufwändigen Befestigungsring rund um die Siedlung: mindestens ein Palisadengürtel mit davor liegendem Ringwall. Vermutlich lag vor dem Wall auch noch ein Graben. Auch ist uns eine Menge Eisenschlacke in die Hände gefallen, was auf Waffenproduktion hindeutet. Fundstücke von weiblichem Schmuck sind zudem selten. Alle diese Indizien sprechen für die Söldner-Hypothese.
Trotz der stattlichen Größe der Siedlung von mindestens 5 Hektar war diese Sippe augenscheinlich nicht von Wohnstand geprägt. Nicht nur die wertarmen Münzen zeugen davon, sondern auch das einfache Geschirr. Es wurden hier nahezu keine Scherben des römischen terra sigillata, eine besonders edle schmuckreiche Keramik, gefunden. In allen umliegenden Siedlungen fand man zahlreichere Spuren dieses teuren Geschirrs.
Dass auch römische Dachziegel auf der Siedlungsfläche gefunden wurden, lässt zwei Deutungen zu: Entweder die Siedlung bestand aus einer gemischten Architektur beider Völker, was bei einer Söldner-Kaserne denkbar erscheint. Oder die Römer haben dort zu einem andern Zeitpunkt Gebäude errichtet. Die zweite Variante wäre wohl wahrscheinlicher.
Die Alemannen
Die Alemannen, wie man aus vielen Quellen heraushört, waren ein zusammengewürfeltes Volk aus verschiedenen Sippen germanischer Herkunft. Dies drückt auch ihr Name aus: „Alle Mannen“, was soviel bedeutet wie „allerlei Leute“. Dieser Zusammenschluss, so sagt man, bildete sich um das Jahr 200 n. Chr.. Die Alemannen waren in allerlei Untergruppen gegliedert, daraus folgte, dass sie keine zentrale politische Führung hatten. Jeder einzelne Teilstamm hatte eine andere Führungspersönlichkeit (König).
Römer und Alemannen
Die Römer und Alemannen hatten eine ständig wechselnde Beziehung je nachdem welcher Herrscher an der Macht war. Einmal lebten sie in friedlicher Koexistenz miteinander, mal bekriegten sie sich. Es wurden viele Alemannen, aber auch Römer auf beiden Seiten von der Gegenseite versklavt und zu Aufgaben aller Art verpflichtet. Die Alemannen lernten viel von den Römern, sie waren des Schreibens nicht mächtig und auch in anderen Dingen wie Ackerbau und Handwerk waren sie den Alemannen weit voraus. Aber auch die Römer schätzten die Alemannen sehr, wenn denn gerade mal Frieden war. Sie arbeiteten im römischen Heer und viele wurden auch zu wichtigen Persönlichkeiten, die die Römer nicht mehr missen wollten.
Alemannen am Rhein
[Text folgt]
