Am ersten Schultag nach den Herbstferien versammelten sich die 13er des Chemie-Leistungskurses von Herrn Bock in aller Frühe am Kehler Bahnhof. Es ging nach Ludwigshafen, zur Badischen Anilin- und Sodafabrik, BASF. Fast vollzählig traten wir die Fahrt zum größten zusammenhängenden Chemiekomplex der Welt an.
Um acht Uhr erreichten wir das Besucherzentrum der BASF, wo wir von der sehr freundlichen und kompetenten Frau Wortmann eine interaktive Führung erhielten. Bei der Präsentation von Produkten, die von der BASF hergestellt werden – hauptsächlich Grundchemikalien, die von anderen Chemiefirmen gekauft und weiterverarbeitet werden – konnte ein Schüler bereits intensivere Erfahrungen mit einem schwerlöslichen blauen Farbstoff machen und jagte allen einen Schreck ein, als plötzlich seine Hände komplett blau waren.
Nachdem die größte Aufregung überstanden war – der Stoff war zum Glück ungiftig –, setzten wir unsere Erkundung des Besucherzentrums mit Ausstellungen über die Chemie im Alltag, die Unternehmensgeschichte sowie die Arbeitsabläufe in der BASF fort. Frau Wortmann erläuterte, wie in der Fabrik produziert wird: Es handelt sich um ein Verbundsystem, das heißt alle Teile des 10 km² großen (!) Geländes sind über kilometerlange Rohrleitungen verbunden und tauschen so Stoffe untereinander aus. Eine zentrale Rolle dabei spielt der sogenannte Steamcracker, der Erdöl in die für viele Reaktionen benötigten niedrigen Kohlenwasserstoffe umwandelt.
Höhepunkt der Exkursion war die Fahrt durch das Werksgelände. Mit den strengen Sicherheitsvorschriften belehrt und mit Helmen, Schutzbrillen und Ohrstöpseln ausgerüstet stiegen wir in den Reisebus, der uns durch einen Teil des riesigen Areals fuhr. Es war sehr beeindruckend, wie groß die Reaktoren, Rektifikationkolonnen, Rohrleitungen und natürlich der Steamcracker sind. Die meisten Anlagen würden unser Schulgelände überragen und sind so hoch wie Mehrfamilienhäuser. Umso erstaunlicher war es, dass man auf dem Gelände kaum Menschen sah. Um zu verstehen, wie diese komplexen Prozesse überblickt und gesteuert werden können, durften wir einen Blick in eine der zahlreichen Messwarten werfen. An einem dutzend Computerbildschirmen erscheint die Anlage, in der unter anderem Stickstoff hergestellt wird, als Modell und mit ein paar Mausklicks können sämtliche Vorgänge gesteuert und kontrolliert werden. Wir fuhren weiter zum Ausbildungszentrum.Die Berufsfelder bei der BASF erstrecken sich über einen großen Bereich: von Chemikanten über Ingenieure bis hin zu wirtschaftlichen Berufen. Nun waren wir leider schon (fast) am Ende unseres Besuchs angelangt. Bevor wir die Heimreise nach Kehl antraten, konnten uns aber noch in der Kantine stärken.
Die Exkursion zur BASF war sehr interessant: zum einen, weil wir eine der weltgrößten Chemieanlagen besichtigen durften, und zum anderen, weil man hier erfahren konnte, wie das, was wir bisher nur in der Theorie oder von „kleinen“ Versuchen mit Reagenzgläsern und Bunsenbrenner im Chemieunterricht kannten, von der Industrie im großtechnischen Maßstab und in millionenfachen Stoffmengen angewendet wird. |